Die Germanen - die Erben Roms

 

Germanen ist die Bezeichnung für eine zur indogermanischen Sprachfamilie gehörende Volksgruppe. Sie stammen ursprünglich wahrscheinlich aus Skandinavien, Dänemark und Norddeutschland. Die Vorfahren der Germanen können nach frühesten historischen Überlieferungen bis in Mitte des 1.Jahrtausend v.Chr. zur Jastorf-Kultur (nordgermanische Ebene zwischen Elbe und Oder) sowie zur Harpstedt-Kultur in Nordwestdeutschland und Holland zurückverfolgt werden. Später gelangten sie durch die Verdrängung der Kelten bis an die Alpen, ja wurden sogar zu den Erben des untergegangenen Weströmischen Reiches. Die Gesamtzahl der Germanen wird auf etwa 4-7 Mill. geschätzt. Nach Tacitus und Plinius gab es drei germanische Stammesgruppen, an der Küste die Ingaevonen (Ingwäonen), in der Mitte die Herminonen und im übrigen Gebiet die Istaevonen (Istwäonen). Die Kenntnis der Nachwelt von den Germanen stammt fast ausschließlich aus den Werken römischer Autoren (Cäsar, Tacitus, Plinius der Ältere)

Germanen und Kelten

Während der Zeit der La Tene-Kultur (ab 500 v.Chr.) gab es vielfältige Handelskontakte zwischen keltischen und germanischen Stämmen. So entwickelte sich mit der Zeit ein Einfluss der keltischen Welt auf die der Germanen. Besonders keltische Handwerkstechniken fanden eine weite Verbreitung im germanischen Gebiet. Eines der Gebiete mit den meisten Kontakten zwischen Kelten und Germanen war die Region Böhmen und Mähren. Nach und nach verdrängten die germanische Stämme durch ihre Expansion die keltischen Stämme. Konnten die Boier und Skordisker im 2.Jrh.v.Chr. noch die aus Norden kommenden Kimbern nach Westen abwehren, so wurden sie im 1.Jrh.v. Chr. endgültig von den Markomannen nach Westen zur mittleren Donau verdrängt. Die Helvetier aus dem westlichen Alpengebiet mussten im Jahre 58 v.Chr. aufgrund des germanischen Druckes nach Gallien auswandern (diente Cäsar als Vorwand für den Gallischen Krieg). Im Jahre 71 v.Chr. riefen die keltischen Arverner und Sequaner die germanischen Sueben zur Hilfe im Kampf gegen die benachbarten Häduer. Einmal in Gallien blieben die Sueben einfach dort. Die germanische Expansion gegen die westlichen Kelten machte also im 1.Jrh.v.Chr. bedeutende Fortschritte.

Germanen und Römer - Zug der Kimbern und Teutonen 

Im 2.Jrh.v.Chr. trafen das germanische und römische bzw. römisch beeinflusste Gebiet das erste Mal aufeinander. Im Jahre 113 v.Chr. fielen die Kimbern in großen Mengen in das an Rom gebundene Königreich Noricum (im heutigen Österreich) ein. Eine römische Armee unter Konsul Gnaeus Papirius Carbo stellte sich ihnen entgegen und wurde vernichtend geschlagen. Die Kimbern zogen danach weiter westwärts zum Oberrhein und nach Gallien.

Verstärkt wurden sie durch die von Norden kommenden Teutonen. Die Schätzungen über die Größe dieser Völkerwanderung gehen weit auseinander, aber von 1 Million Menschen kann man wohl ausgehen. Gemeinsam drangen sie 109 v.Chr. in Südgallien ein und baten den römischen Senat um Zuweisung von Siedlungsland. Diese Bitte wurde ihnen verwehrt. Gleichzeitig wurde eine römische Streitmacht unter dem Konsul Marcus Junius Silanus ausgesendet, um die Kimbern und Teutonen anzugreifen. Die Römer wurden allerdings vernichtend geschlagen. Im Jahre 107 n.Chr. erging es einem Heer unter dem Konsul L.Cassius Longinus ebenso aber die Germanen zogen nicht gegen Italien sondern in das Innere Galliens. Im Jahre 105 v.Chr. kam die Germanenschar auf der Suche nach Land erneut an die Rhone. Wieder wurde ihre Bitte nach Land abgelehnt, worauf sie durch das Rhonetal südwärts bis nach Arausio (Orange) vordrangen. Hier trafen sie auf zwei konsularische Armeen unter Prokonsul Caepio und Konsul Mallius Maximus und besiegten diese erneut, eine der schwersten Niederlagen in der römischen Militärgeschichte überhaupt. Dabei sollen ca. 80.000 römische Legionäre ums Leben gekommen sein. Die Germanen ließen sich aber nicht in Südgallien nieder (die einheimische Bevölkerung stand im Kampf gegen Rom nicht zu den Germanen) sondern die Kimbern zogen westwärts nach Spanien und die Teutonen ins Innere von Gallien

 

Da beide Stämme auch dort keine Unterstützung fanden, trafen sie schließlich an der Seine wieder zusammen und wanderten weiter mit dem Ziel Italien. Dabei trennten sich Kimbern und Teutonen erneut, diesmal mit fatalen Folgen. Eine neu aufgestellte römische Armee unter Gaius M. Marius verfolgte die Teutonen vom Iseretal ostwärts und stellte sie nahe Aquae Sextiae (Aix-en-Proivence) 102 v.Chr. zur Schlacht. Dort wurden die Teutonen von den Legionen besiegt und nahezu vollständig vernichtet. Im Jahre 101 v.Chr. wurde schließlich die entscheidende Schlacht zwischen Römern und Kimbern bei Vercellae in der Po-Ebene geschlagen, die Gaius M. Marius erneut für sich entschied. Die Kimbern hatten dabei 200.000 Tote zu beklagen. Die germanische Gefahr war damit abgewendet und die erste Konfrontation zwischen Germanen und Römern zu Ende.

In den 50er Jahren des 1. Jahrhunderts v. Chr. hatte Caius lulius Caesar die gallischen Gebiete vom Atlantik bis zum Rhein erobert. Dieser bildete seither die Grenze des Römischen Reichs gegen die Germanen. Die römischen Besatzungstruppen waren im Inneren Galliens stationiert, die Rheingrenze daher weitgehend ungeschützt. Dies nutzten die jenseits des Rhein siedelnden Germanenstämme immer wieder zu plötzlichen Überfällen in das sich wirtschaftlich entwickelnde gallische Gebiet aus. Allerdings erlaubte es den Römern ihr gut ausgebautes Straßensystem, jeden Punkt der Grenze relativ schnell zu erreichen, um auf plötzliche Überfälle zu reagieren. So hatte bereits Agrippa damit begonnen, eine Nord-Ost-Verbindung von Lugdunum (Lyon) zur Mosel und bis nach Köln sowie eine Nord-West-Route zur Atlantikküste über Autun und Beauvais zu bauen. Eine weitere wichtige Strasse verlief von der Atlantikküste über Bavay nach Köln. Außerdem errichteten die Römer die wichtige Rheinstrasse entlang des Westufers, die in Vindonissa (heute Windisch in der Schweiz) begann und über Straßburg, Mainz, Köln, Xanten und Nijmegen nach Katwijk an der Nordseeküste verlief und damit nicht nur die Alpenregion mit der Nordsee sondern auch alle wichtigen Militärlager am Rhein miteinander verband.

Feldzüge von Drusus und Tiberius

Mit dem Sieg über die westlichen Alpenvölker um 25 v.Chr. hatte die Eroberung der Alpenregion durch die Römer begonnen. Wenig später gab es bereits Kastelle bei Basel, Zürich und Oberwinterthur in der heutigen Schweiz sowie Stützpunkte in Xanten, Neuss, Bonn und vielleicht auch schon in Nijmegen. Um 20 v.Chr. begann der Bau einer Fernstrasse von Lyon (Lugdunum) über Trier bis an den Rhein. In den Jahren 17/16 v.Chr. fielen die Sugamber, Usipeter und Tenkterer in die westlich des Rheins gelegenen Gebiete ein und vernichteten die 5.Legion der Rheinarmee unter Marcus Lollius. Daraufhin begab sich Kaiser Augustus für die nächsten drei Jahre (15-13 v.Chr.) nach Gallien, um die Neuorganisation der Provinz voranzutreiben und deren Verteidigung neu zu strukturieren, auch indem er weitere Legionen aus den Provinzen direkt an den Rhein verlegte. Diese wurden zu je zwei Legionen in Standlagern untergebracht. Im Alpenfeldzug 15 v.Chr. stößt Nero Claudius Drusus (ein Stiefsohn des Augustus) von Trient aus nach Norden und Tiberius (Bruder des Drusus) von Gallien aus nach Osten vor. Der Nordrand des Alpenlandes wird

Im Jahre 12 v.Chr. begann dann die römische Invasion ins germanische Land unter dem Oberbefehl des Drusus. Ausgangspunkte waren die Lager bei Mainz, in Xanten, Neuss und Nijmegen. Das Lager in Mainz befand sich gegenüber der Mainmündung, das Legionslager in Xanten gegenüber der Lippemündung. Beide Flüsse boten für den Nachschub den Zugang bis weit in das feindliche germanische Land.

Drusus führte eine römische Flotte längs der Nordseeküste und unterwarf die Friesen und Chauken, die an der Wesermündung siedelten. Die Offensive des nächsten Jahres (11 v.Chr.) richtete sich gegen die aufsässigen Sugambrer. Drusus traf sie nicht zu Hause an, da sie gerade gegen die Chatten ins Feld gezogen waren, und wandte sich deshalb gegen die Cherusker. Die Cherusker wichen vor den Römern Richtung Elbe aus. Drusus zog hinter ihnen her, wobei er das Cheruskerland zerstörte. Trotzdem war auch dieser Feldzug recht erfolglos, denn die Cherusker hatten sich über die Elbe in Sicherheit gebracht. Auf dem Rückmarsch wurden die Römer in einer Talenge bei Arbalo von den inzwischen zurückgekehrten Sugambrern im Verbund mit den Cherusker unter Segimer (Vater des Arminius) und den Sueben angegriffen. Drusus konnte sich freikämpfen und die Römer entgingen nur knapp einer Katastrophe. Ziel des Angriffes unter Drusus im Jahre 10 v.Chr. waren diesmal neben den Sugambrern auch die Chatten. In diesem Jahr ließ Drusus auch einen Kanal (fossa Drusiana) anlegen, der den Rhein über den Flevo-See mit der Zuidersee und damit mit der Nordsee verband. Dadurch wurde der Weg für die Flotte von den römischen Stützpunkten am Rhein in den Nordwesten erheblich verkürzt. Der Feldzug im Jahre 9 v.Chr. richtete sich gegen die Chatten und Sueben. Drusus führte das Heer erneut bis an die Elbe und dann zurück in westliche Richtung gegen die Cherusker. Auf dem Rückmarsch stürzte er vom Pferd, zieht sich dabei einen Schenkelbruch zu und stirbt nach 30 Tagen im Sommerlager (castra scelerata - das verfluchte Lager). Sein Bruder Tiberius, der an sein Sterbebett geeilt war, übernahm an Ort und Stelle das Kommando über die Truppen.

Trotz der Erfolge des Drusus war der Widerstand der germanischen Völker und Stämme noch immer sehr groß. Im Jahr 8 v.Chr. kam Augustus nach Gallien, um weitere Vorbereitungen zur Eroberung der rechtsrheinische Gebiete zu treffen. Die germanischen Stämme hatte in den zurückliegenden Jahren die Erfahrung gemacht, daß die Zahl ihrer Krieger immer weniger wurde, aber die Römer trotz erlittener Verluste zu jedem Feldzug mit mehr Truppen erschienen. Daher waren einige Stämme bereit, sogenannte Föderatenverträge mit den Römern abzuschließen. Mit dem Feldzug des Tiberius im Jahre 8 v.Chr. begann die Auflösung der Sugambrer als eigenständiger Stamm. Die Verluste der letzten Jahre waren einfach zu hoch. So war es Tiberius möglich etliche Sugambrer auf das linke Rheinufer umzusiedeln, wo sie fortan unter Kontrolle waren. Die restlichen Stammesangehörigen schlossen sich den Chatten an. Auch im Jahre 7 v.Chr. führte Tiberius verschiedene Feldzüge in Germanien durch. Was sich in den Jahren 6 v.Chr. bis 1 n.Chr. nach dem Rückzug des Tiberius vom Oberkommando im rechtrheinischen Germanien genau abspielte, ist weitgehend unbekannt. Man weiß von einem Feldzug unter L.Domitius Ahenobarbus von Raetien aus im Jahre 2 v.Chr. gegen die Hermunduren. Dabei überschreitet er die Elbe und schloß mit einigen rechtselbischen Stämmen Verträge ab. Wahrscheinlich wurden weitere Vorstöße in germanisches Gebiet aus dem Donauraum vorgenommen. Im Jahre 1 n.Chr. führten die Legaten M.Vinicius und Ahenobarbus verschienene Feldzüge zwischen Rhein und Ems. Der Rückweg des Ahenobarbus führte ihn auch durch das Land der Cherusker. Dort mischte er sich massiv in interne Stammesangelegenheiten ein, so daß die erbosten Cherusker die mit Tiberius vermutlich geschlossenen Verträge aufkündigten. Auf seinem weiteren Rückmarsch zum Rhein legte er die berühmten "pontes longi" an, einen Knüppeldamm durch ein Sumpfgebiet. In den Jahren 1-4 n.Chr. gab es vor allem Unruhen im heutigen Norddeutschland.

Im Jahre 4 n.Chr. übernahm Tiberius wieder das Oberkommando in Germanien und führte einen Feldzug durch, wobei er die Chauttuarier unterwarf. Auch im Jahre 5 n.Chr. fand ein Feldzug statt. Mit den Chauken schloß Tiberius in diesem Jahr Verträge. Nachdem die Römer nun im Jahre 6 n.Chr. mit den meisten germanischen Stämmen zwischen Rhein und Elbe Verträge geschlossen hat, begann der Aufbau der neuen Provinz Germanien. Die Römer richteten kaiserliche Domänen (saltii) ein, bauten Strassen, eröffneten regionale Märkte und legten Kastelle an. Ebenso begannen sie mit der Errichtung von Städten (Halberstadt, Hildesheim (?) sowie Waldgirmes). Tiberius führte im Jahr 6 erst einen Feldzug in Germanien durch und zog dann gegen die Markomannen. Das aufblühende markomannische Königreich in Böhmen unter dem König Marbod empfand Rom als ständige Bedrohung. 12 Legionen waren in je zwei Armeen zu jeweils 6 Legionen (eine von Germanien unter Sentius Saturninus und die zweite aus Noricum unter Tiberius selbst) auf dem Weg zu den Markomannen. Als Tiberius noch ca. 5 Tagesmärsche von dem Platz, wo Marbod 75.000 markomannische Krieger zusammengezogen hatte entfernt war, erhielt er die Nachricht von schweren Unruhen in Pannonien und Dalmatien. Sofort rückte er mit seinen Legionen zu ihrer Niederschlagung ab und schloß mit Marbod einen Friedensvertrag.

Im Jahre 7 n.Chr. schickte Augustus Publius Quintilius Varus als neuen Statthalter nach Germanien. Dieser hatte vor allem seit dem Krieg in Pannonien dafür zu sorgen, daß die mit den Germanen vertraglich vereinbarten Steuern und Getreidelieferungen (trotz Mißernten u.ä) pünktlich geliefert wurden, denn sie wurden zur Versorgung der römischen Truppen in Pannonien dringend benötigt. Dies und die Tatsache, daß der römische Einfluß in Germanien durch Handel und erste Ansiedlungen (vermutlich sogar im Bau befindliche Städte) immer stärker wurde, machten es Varus nicht gerade leicht. Der Unmut unter den germanischen Stämmen wuchs stetig. Varus war im Juli des Jahres 9 n.Chr. mit seinem gesamten Heer (5 Legionen, die 14., 21. sowie die 17.,18. und 19.) und Gefolge in seinem Sommerlager an der Weser nahe am Gebiet der Cherusker (deren Fürsten Arminius, Segimer und Segestes sich in seinem Gefolge befanden). Dort erreichte ihn die Nachricht über einen Aufstand von entfernt von seinem Lager befindlichen Stämmen, die bereits in ihrem Gebiet stationierte Römer getötet haben sollten.

Das veranlaßte ihn, unverzüglich einen Feldzug gegen die aufständischen Stämme zu führen. Am Vorabend dieses Feldzuges gab Varus noch ein Gastmahl und er wurde dabei durch Segestes gewarnt, daß Arminius und Segimer eine Verschwörung gegen ihn planten, aber er schenkte dem (zumindestens em Anschein nach) keinen Glauben. Zwischen ihm und seinem Neffen Asprenas kommt es daraufhin zum Disput, so daß Varus Asprenas mit der 14. und 21. Legion zurück an den Rhein ziehen läßt. Mit Asprenas Truppen ziehen auch die Frauen und Kinder. Zudem transportiert er einen erheblichen Teil des Eigentums der Offiziere und Soldaten zurück an den Rhein. Um den Wegfall dieser zwei Legionen zu kompensieren und die vermeintlichen Aufrührer gleichzeitig zu schwächen, bittet Varus die in seinem Sommerlager anwesenden Stammesfürsten um Hilfstruppen, die ihm diese gewährten. Das sie nie kommen würden, wußte Varus zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.
 

Die Varusschlacht 9 n.Chr.

Über diese Schlacht ist schon viel geschrieben worden und es gibtviele Thesen, wo sie wohl stattgefunden hat. Da ich hier nicht alle möglichen Varianten (Teutoburger Wald, Kalkriese, Halberstadt ...) abhandeln kann, habe ich mich nach sorgfältigem Lesen der jeweiligen Bücher und mehren Besichtigungen vor Ort (Kalkriese und Teutoburger Wald) für eine Variante entschieden. Die Varusschlacht fand wahrscheinlich bei Halberstadt statt ! Beschrieben wird diese These ausführlich im Buch "...gesichert von Türmen geschützt vom Schwert, ..." von F.H. Rainer Friebe. Ich kann es allen Interessierten nur empfehlen. Aber was geschah nun im einzelnen ?
 

Die Langobarden und die Cherusker waren nach Tacitus die Initiatoren und Auslöser der Aufstände, wobei wohl die Langobarden mit dem Aufstand begonnen hatten. Da ihr Siedlungsgebiet östlich von Varus Sommerlager lag, zog er mit seinen Legionen (17., 18. und 19. verstärkt durch 6 Legionskohorten und 3 Alae (Reiterschwadron) aus den Reihen der 14. oder 21. Legion) auch in östliche und nicht in die westliche Richtung. Als Zeitpunkt des Feldzuges ist wohl Juli anzunehmen, da die Nachricht von der Niederlage des Varus fünf Tage nach Beendigung des Pannonischen Krieges in Rom ankam, also am 8.August des Jahres 9 n.Chr. Varus Begleiter auf dem Feldzug waren am Anfang jene Fürsten, die ihm am Vorabend Hilfstruppen zugesagt hatten. Kurz darauf trennten sie sich von ihm, angeblich um die Hilfstruppen zu mobilisieren und sich dann mit den Römern an einem vorstimmten Ort wieder zu freffen.

Die Römer maschierten auf einem alten Heerweg über Elze, Hildesheim und Schöningen Richtung Elbe. Diese These wird durch den Hildesheimer Silberfund gestützt, der nach der sehr überzeugenden Meinung von Herrn Friebe einer Zeltgemeinschaft von Legionären der 18.Legion gehörte (Näheres dazu findet man im genannten Buch). Aber wo war sicheres Gebiet ? Weiter nach Richtung Elbe war nicht sinnvoll, nach Westen konnte er auch nicht, weil er annehmen mußte, daß auch die Stämme westlich der Weser in die Verschwörung verwickelt waren. Der Marsch Richtung Norden führte in Gebiete fern der römischen Hemisphäre und Richtung Süden war das Gebiet der Chatten, die in Dauerfeindschaft zu den Römern standen. Außerdem war von Süden mit Verbänden der Sugambrer, Brukterer und Marser zu rechnen. Der einzig erfolgversprechende Weg war in östliche Richtung  durch das Nordharzgebiet zu ziehen, um den Harz dann in südliche Richtung zu überqueren oder zu umrunden um dann auf den bekannten Wegen Richtung Rhein zu ziehen. Also führte ihn sein Weg in den römischen Saltus, der sich als Puffer zwischen Cheruskerland und dem der Sueben befand und vermutlich bereits durch erste Kastelle gesichert worden war.

So konnte er vielleicht auch noch die dort befindlichen römischen Bürger retten, wenn sie nicht schon getötet worden waren. Mit zunehmender Dauer des Marsches wurde das römische Heer von immer mehr Feinden angegriffen, so daß Varus den Weg durch das "Große Bruch", ein Sumpfgebiet, wählte. In diesem Gelände waren Angriffe schwerer zu führen. Vom dritten zum vierten Tage machte das Varusheer einen Nachtmarsch. Die nächste Lagermöglichkeit wurde dann genutzt und ein Dreilegionenlager errichtet. Es sollte das vorletzte Varuslager sein. In diesem Lager lagerten die Römer zwei bis drei Tage, während sich davor die Feinde sammelten. Als es nicht gelang diese durch gezielte Ausfälle zu vertreiben, sondern die Zahl der feindlichen Truppen stetig anstieg, entschloß sich Varus zur Schlacht. Wie diese Schlacht ablief ist nicht genau überliefert, aber wahrscheinlich hatten die Römer anfangs Erfolge. Dadurch entfernten sie sich immer mehr von Lager und verfolgten die vermeintlich fliehenden Germanen bis sich das Schlachtfeld verengte. Dort wurden sie in den Flanken von gut versteckten Verbänden angegriffen. Das Varusheer erlitt in dieser Feldschlacht katastrophale Verluste und nur noch ein Teil konnte sich in das Meilen entfernte Lager retten. Da Varus nicht mehr genug Soldaten hatte, um das gesamte Dreilegionenlager zu verteidigen, verkleinerte er das Lager quer zu den Längsseiten. Die Größe dieses kleinen Lager zeigt, das Varus zu diesem Zeitpunkt bereits 2/3 der Legionen verloren hatte. In diesem Lager stützte sich Varus zur Erhaltung seiner Ehre in sein Schwert. Seine verbliebenen Soldaten versuchten ihn entsprechend zu bestatten und zu verbrennen, aber das Lager vor dem Niederbrennen des Scheiterhaufen von den Germanen eingenommen. Dem halbverkohlten Leichnam des Varus wurde der Kopf abgeschlagen und an Marbod gesandt. Nach Varus Tod hatte Ceionius den Oberbefehl. Dieser bot den Germanen die Kapitulation an und gab den verzweifelt kämpfenden Legionären am Wall den Befehl zum Einstellen der Kampfhandlungen. Aber die Germanen metzelte die Legionäre nieder und opferten die römischen Offiziere in ihren heiligen Hainen zu Ehren ihrer Götten, so auch Ceionius. Nur wenige konnte fliehen ins Kastell Aliso. Kaiser Augustus soll äußerst verzweifelt über die Niederlage in Germaniens Wälder gewesen sein (aus dieser Verzweiflung rührte der Ausruf :"Varus, Varus! Gib mir meine Legionen wieder!"). Wie nachhaltig diese verlorene Schlacht im Bewußtsein der Römer blieb, zeigt sich vor allem daran, daß die Nummern der untergegangenen Legionen (17,18 und 19) nie wieder vergeben wurden. Innerhalb eines einzigen kurzen Feldzuges hatte Rom etwa ein Zehntel seiner Armee eingebüßt. Nur wenige der schätzungsweise 25.000 Soldaten entkamen dem Inferno. In der Folge gaben die Römer ihre Unterwerfungspläne für Germanien erst einmal auf und zogen sich vollständig wieder hinter den Rhein zurück.

Die Jahre 10 - 12 n.Chr. waren geprägt von der Reorganisation der Rheinfront durch Tiberius. Im Jahre 13 n.Chr. übernahm Germanicus, der Sohn des Drusus, den Oberbefehl über die römischen Truppen am Rhein und musste im folgenden Jahr nach dem Tod des Augustus eine Meuterei der Legionen niederschlagen, die ihn gern zum Kaiser ausgerufen hätten.

Die Feldzüge des Germanicus (14 - 16 n.Chr.)

Durch Augustus Tod wurde Tiberius 14 n.Chr. zum römischen Kaiser. Nachdem Germanicus die Meuterei beim niederrheinischen Heer beendet hatte, brach er zu einem Feldzug gegen die Marser auf. Diese wurden kurz nach einer Stammesfeier von dem Angriff der Römer völlig überrascht. Sie konnten kaum Widerstand leisten. Große Teile des Marserlandes wurden völlig verwüstet und es wurden selbst Frauen, Kinder und Greise getötet. Die Römer zerstörten dabei auch einen heiligen Bezirk, das Stammesheiligtum der Marser. Im Jahre 15 n.Chr. begann Germanicus einen großangelegten Feldzug, zuerst gegen die Chatten, dann zum Ort der Varusschlacht. Hier sammelten sie die Überreste ein und bestatteten diese in einem Grabhügel. Schließlich zogen die Römer an die Weser zum Ort Amisia. Dort teile Germanicus die 8 Legionen zum Marsch in die Winterlager in Armeen auf. Die eine unter dem Befehl des General Caecina bestehend aus den 4 niederrheinischen Legionen sollte quer durchs Land zum Rhein ziehen. Auf dem Rückmarsch zum Rhein wäre diese Armee fast vernichtet worden. Caecina wird an den "pontes longi", einem Bohlenweg durch ein Sumpfgebiet, umstellt und kann sich nur mit großer Mühe und großem taktischem Geschick (welches Varus sicher fehlte) der Angriffe erwehren.
Der Germanicusfeldzug des Jahres 16 n.Chr. war vor allem gegen die Cherusker gerichtet. In seinem Verlauf kam es zwischen dem Heer des Germanicus (8 Legionen und viele Hilfstruppen) und den Stämmen unter Führung des Arminius (unter anderem die Langobarden und Semnonen) rechts der Weser zu zwei großen Schlachten, der Schlacht auf dem campus Idistaviso sowie der Schlacht am Angrivarierwall.

Die Schlacht am campus Idistaviso ("Schlachtfeld dem Ithi quasi gegenüber") fand zwischen der Weser und dem Ith statt. Nachdem die Römer die Weser überquert hatten, legten sie ein Marschlager an. Von diesem Lager aus zogen sie auf das Schlachtfeld. Bereits auf dem Marsch zum Schlachfeld wurden die römischen Truppen angegriffen. Die Schlacht selbst dauerte vom Morgen bis in die Nacht. Am Ende des Tages befanden sich die germanischen Truppen in Auflösung. Arminius und Inguiomerus konnten mit einem Teil ihrer Truppen bei den chaukischen Hilfstruppen die römische Schlachtenlinie durchbrechen und flohen Richtung Osten. Nach der Schlacht errichteten die Römer einen Siegeshügel und zogen dann den Cheruskern hinterher, um sie endgültig zu vernichten.

Diese gingen am Angrivarierwall in Stellung. Der Schlachtplan des Arminius (unter anderem auch die im Wald versteckten germanischen Reiterstreitkräfte) blieb Germanius nicht verborgen. So konnte er seine Reiter den germanischen Reitern entgegenstellen in einer Reiterschlacht und so verhindern, daß diese den Fußtruppen wie von Arminius geplant in den Rücken fallen konnten. Somit erreichten die römischen Legionen den Wall fast unbeschadet, so dass die Germanen einem viel größeren Ansturm als erwartet ausgesetzt waren. Das intensive römische Bombardement der Wallanlagen durch Schleudermaschinen, Katapulte, Bogen- und Wurfschützen tat ein übriges. So gelang es schließlich den Römern den Wall zu erobern. Die Germanen zogen sich in die angrenzenden Wälder zurück.

Arminius befand sich aber trotz der römischen Siege noch immer an der Spitze einer starken Koalitionsarmee germanischer Stämme. Germanicus wurde im Jahre 17 n.Chr. abberufen und in Rom mit einem Triumphzug geehrt und dann von Tiberius in den Osten des Reiches entsandt. Das Ende der Germanicus-Feldzüge bedeutete faktisch das Ende des römischen Anspruchs auf das rechtsrheinische Germanien.

Die Auseinandersetzungen mit den Römern im 1. und 2. Jrh

Im Jahre 28 n.Chr. gab es einen Aufstand der Friesen wegen der hohen Steuern, in dessen Folge auch das rechtsrheinische Friesland aufgegeben wird. Der Nachfolger von Tiberius, Kaiser Claudius, baute den Rhein durch die Anlage weiterer Kastelle als Grenze aus. Im Jahre 47 n. Chr. geht der römische Statthalter Domitius Corbulo vom Niederhein aus gegen die Friesen und Chauken vor, wird aber von Kaiser Claudius zum Rückzug aufgefordert. Im Jahre 50 es einen Einfall der Chatten nach Gallien, der aber erfolgreich abgewehrt werden kann. von 81 - 85 (?) finden die Chattenkriege statt. Die römische Offensive führte von Mainz durch die Wetterau ins chattische Gebiet.

Durch die beginnenden Völkerwanderungen traten die Germanen dann erst wieder im 2./3. Jrh. in Erscheinung. Es ist die Geschichte der Wanderung vieler verschiedener germanischer Stämme und deren Auseinandersetzungen mit den Römern. Schließlich treten sie im 4. und 5. Jrh das Erbe Roms im Westen an, wie die Karte zeigt.

Siedlungen und Wirtschaft der Germanen

Die Germanen wohnten in relativ kleinen Siedlungen. Aus den Bestattungsplätzen der Germanen schließen Archäologen, dass die Größe von Siedlungen bei etwa zweihundert Menschen lag. Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass die Germanen in Holzhäusern in Skelettbauweise wohnten. Die verbreitetste Art war das germanische Langhaus, das Aufgrund seines Verhältnisses von Länge und Breite so bezeichnet wird.

Unter seinem Dach beherbergte es sowohl Menschen wie auch Tiere, die lediglich durch eine Wand getrennt waren. Der Wohnraum besaß keine weiteren Trennwände, in seiner Mitte befand sich eine Feuerstelle. Der Rauch konnte über eine Öffnung im Dach abziehen, Fenster besaßen die germanischen Häuser nicht. Das tief herabgezogene Dach war mit Rohr gedeckt und wurde von hölzernen Pfeilern getragen. Die Außenwände bestanden aus hölzernen Pfosten, zwischen denen sich mit Lehm beschmiertes Flechtwerk spannte. Für den Unterbau wurden in einigen Gegenden Steine verwendet. Separat vom Wohnhaus standen der Speicher und andere kleinere Nutzgebäude.

                                       

Das Anwesen war zum Schutz vor wilden Tieren und Räubern oft von einem hölzernen Zaun oder einer Steinmauer umgeben. Die Germanischen Bauern waren weitgehend Selbstversorger, der Hof bot alles, was die Familie zum Leben brauchte und was fehlte wurde entweder eingetauscht oder selbst hergestellt. Geld war den Germanen anfangs weitgehend unbekannt und wurde erst nach und nach durch die Römer eingeführt. Die Jagd wurde sehr eifrig betrieben im alten Germanien, die Wälder waren reich an Bären, Wildschweinen, Rot- und Dammwild sowie Aurochsen.

"Dass die Völkerschaften der Germanen keine Städte bewohnen, ist hinreichend bekannt, ja dass sie nicht einmal zusammenhängende Siedlungen dulden. Sie hausen einzeln und gesondert, gerade wie ein Quell, eine Fläche, ein Gehölz ihnen zusagt. Ihre Dörfer legen sie nicht in unserer Weise an, dass die Gebäude verbunden sind und aneinander stoßen: jeder umgibt sein Haus mit freiem Raum (...)." Tacitus, Germani

Religion der Germanen

Für die Germanen waren ihre Götter weder vollkommen noch unsterblich. Sie verehrten sie, doch sie unterwarfen sich ihnen nicht. Gaben sie ihnen eine Opfergabe, so erwarteten sie eine göttliche Gegengabe. Die Götterwelt der Germanen war sehr vielfältig. Da sie aus einer reinen Natur-Religion entstanden waren, waren einige Charakterzüge der germanischen Götter denen einiger griechischer und römischer Götter nicht unähnlich. Die wichtigsten Göttern waren:

Wodan

Oberhaupt der Germanengötter und Schutzgott des Krieger und Fürsten, Gott der Toten und Herr des Sturmes. Er hat eines seiner Augen geopfert, um aus der Quelle der Weisheit trinken zu können, was ihn zum weisesten aller Götter macht. Die beiden Raben Hugin und Mudin kommen zu ihm, um ständig über das Neueste in der Welt zu berichten. Er reitet auf seinem achtbeinigen Schimmel Sleipiur, auf welchem er oft in Zeichnungen dargestellt wird. Wenn er unterwegs in der Welt der Sterblichen ist, wird er von den Wölfen Geri und Frelki und den beiden Raben begleitet, welche ihm treu zur Seite stehen. Außerdem folgt ihm immer seine "Armee der Toten" (ein Heer aus gefallenen Germanen). Ihm wurden auch Menschenopfer dargebracht. Von den Nordgermanen wird er auch Odin genannt.

Donar / Thor

Wodan's Sohn ist der Herr der Blitze und des Donners. Er löst Gewitter aus und vertreibt auf diese Weise alljährlich den Winter aus Germanien. Als mächtige und gefährliche Waffe dienen ihm Blitze, welche er um sich schleudert. Ihm zu Ehren wurden Tiere geopfert. Er ist auch im Besitz des Hammers "Mjölnir", der über Zauberkräfte verfügt. Als Gott des Ackerbaus konnte er mit seinem Hammer den Boden fruchtbar machen und wurde daher vor allem von den Bauern verehrt.

Tiwaz

Sein Zeichen war das Schwert und er war der mutigste der Götter als Helfer im Kampf und im Krieg. Er wußte auch die Feinde zuverwirren.

Njord

Er herrschte in der Wasserwelt.

Nerthus

Sie war die Erdmutter und die Frau Njords.

Freyr

War der Sohn von Njord und Nerthus und der Sonnengott, der aus jeder Notlage heraushelfen konnte.

Freyja

War die unbeschreiblich schöne Tochter von Njord und Nerthus und Gemahlin Wodan's. Sie war Schutzherrin der Liebe und der Ehe. Außerdem verfügte sie über magische Kräfte und konnte die Zukunft vorhersagen.

 

 

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